Social Media

Welches Potential hat die Zielgruppe der Best Ager für das Social Media Marketing?

Oft wird angenommen, dass die Generation über 50 weniger online-affin ist und sich wenig bis gar nicht für neue Technologien interessiert. Dass das ein Trugschluss ist, zeigen neue Studien: Die Best Ager nutzen immer öfter soziale Netzwerke und Smartphones – Tendenz steigend

Kombiniert man diese Erkenntnis mit der Tatsache, dass bereits heute 30 Prozent der Gesamtbevölkerung älter als 50 Jahre ist – im Jahr 2035 werden es bereits 50 Prozent sein – und diese Zielgruppe immer noch über die größte Kaufkraft verfügt, bleibt die Frage offen, warum sich so wenige Unternehmen mit den Best Agern in Bezug auf ihr Social Media Marketing beschäftigen.

Wir finden, dass dieses Thema im Sozial Media Marketing zu stark vernachlässigt wird. Daher haben wir im Folgenden einige Daten, Zahlen und Fakten zur Social Media Nutzung der Generation 50 plus zusammen gestellt und das erste soziale Netzwerk für die Generation 50 plus genauer unter die Lupe genommen.

Social Media Nutzung der Generation 50 plus

Laut Bitkom sieht die Social Media Nutzung nach Alter wie folgt aus: 85 Prozent der 14 bis 29-Jährigen, 65 Prozent der 30 bis 49-Jährigen und 46 Prozent in der Generation 50 plus nutzen soziale Netzwerke aktiv. (Quelle: BITKOM-Umfrage unter 1.023 Internetnutzern). Das bedeutet: Fast jeder Zweite über 50 ist bereits in sozialen Netzwerken vertreten. Der am stärksten genutzte Kanal der 50 plus ist Facebook, gefolgt von Stayfriends sowie Wer-kennt-wen.

Vergleicht man die Nutzungsmotivation sozialer Netzwerke nach Alter, fällt auf, dass die Generation 50plus mit 19 Prozent soziale Netzwerke am stärksten nutzt, um sich über Angebote für Produkte und Dienste zu informieren – deutlich weiter hinten liegen die 14-29-Jährigen mit nur 8 Prozent und die 30-49-Jährigen mit nur 11 Prozent. Auch wenn es darum geht sich über Marken und Produkte zu informieren führt die Generation 50 plus mit 16 Prozent.

Und nach welchen Kriterien wählt die Zielgruppen 50plus soziale Netzwerke aus? Wie bei den anderen Altersgruppen auch, sind die Sicherheit der persönlichen Daten, sowie transparente Privatsphäre Einstellungen die wichtigsten Kriterien. Bei den Nutzern über 50 fällt aber zudem auf, dass Sie mit 61 Prozent viel mehr Wert auf eine gute Benutzerfreundlichkeit legen.

Fazit: Die Zahlen zeigen, dass sich Social Media Marketing für die 50plus durchaus lohnen kann. Dass sich gerade die Best Ager in sozialen Netzwerken über Produkte und Marken informieren, sollte von Unternehmen künftig stärker genutzt werden.

Das erste soziale Netzwerk für die 50plus: seniorbook.de

Im Oktober 2012 ging das erste soziale Netzwerk für die Zielgruppe 50 plus an den Start. Das Netzwerk bietet der Zielgruppe die Möglichkeit sich zu vernetzten, lokale News auszutauschen und vor allem selbst zum Blogger zu werden. Thematisch will seniorbook die Lebensrealität der älteren Generation abbilden und erlebbar machen. Das Herz des Netzwerks sind die redaktionellen Beiträge von Usern für User. Das Design ist im Rahmen einer hohen Benutzerfreundlichkeit einfach und übersichtlich gehalten. Auch Datenschutz und Privatsphäre haben hier eine sehr hohe Priorität. Hier unterscheidet sich das Konzept von Facebook: Der Nutzer gibt nur so viel über sich Preis wie er möchte. Interessant ist auch: seniorbook greift auch auf die herkömmlichen Netzwerke zurück und lehnt diese keineswegs ab. So gibt es ein Profil von seniorbook.de auf Facebook und auch auf Google+, ergänzend zur Plattform.

Und wie erfolgreich ist seniorbook.de?

Das Netzwerk ist nun seit einem halben Jahr online. Der Vorstandsvorsitzende der Seniorbook AG Thomas Bily gibt an, dass seniorbook bereits 20.000 aktive Mitglieder vorweisen kann – Tendenz steigend. So melden sich täglich zwischen 200 – 300 neue Nutzer an.

Ab Mitte des Jahres soll auch Werbung auf seniorbook.de möglich sein. Dies ist sicherlich interessant für Unternehmen, die sich mehr auf die Zielgruppe der 50 plus konzentrieren wollen.

Scrollt man sich durch die Beiträge der Nutzer, bekommen wir folgenden Eindruck: Vergleichen Nutzer das Netzwerk mit Facebook & Co., sehen sie den Vorteil von seniorbook darin, dass sie selbst redaktionell tätig werden können und vor allem auch von Gelichgesinnten gehört werden. Auch positiv aufgefasst wird, dass es bei seniorbook nicht darum geht, möglichst viele Freunde und Likes zu sammeln, sondern um „stabile Diskussionsgemeinschaften“ und eine Art „virtuellen Stammtisch“.

Ist jemand über 50 ein Senior?

Auch wenn das Portal schon recht erfolgreich ist und einen einzigartigen Ansatz verfolgt, bleibt sicherlich fraglich, ob sich ein 50-Jähriger gerne in die Zielgruppe der Senioren einordnen lässt.

Zu bedenken ist, dass die Senioren von morgen, heute mit Facebook und anderen sozialen Netzwerken älter werden. Es muss hier angezweifelt werden, dass diese dann auf ein Seniorennetzwerk wechseln werden. Wie der Markenstratege Michael Brandtner bereits feststellt:
„Entscheidend für das Marketing ist heute nicht das tatsächliche Alter der Zielgruppe. Entscheidend für das Marketing ist heute das gefühlte Alter der Zielgruppe. (…) Menschen, die sich wirklich als Senioren fühlen, werden wahrscheinlich gar nicht mehr wirklich aktiv konsumieren, wenn man vom Bedarf des täglichen Lebens absieht. Diese sind wahrscheinlich gegen fast jede Art des Marketings immun.“

Fazit: Für Unternehmen wird die Zielgruppe der 50 plus im Hinblick auf Social Media Marketing immer interessanter werden. Daher ist es sicherlich sinnvoll, sich bereits heute mit möglich Social Media Strategien zur Gewinnung dieser Gruppe auseinanderzusetzen. Welche Kanäle geeignet erscheinen bleibt aber abzuwarten. Die Entwicklung von seniorbook hinsichtlich Online Marketing Maßnahmen zu verfolgen ist allerdings empfehlenswert.

Quellen:
http://www.absatzwirtschaft.de/content/communication/news/maerkte-und-marken-mit-ablaufdatum-seniorenmarketing-kann-gefaehrlich-sein;78456
http://www.initiatived21.de/portfolio/nonliner-atlas
http://blog.paseo-marketing.de/best_ager_sie_sind_nicht_erreichbar_uber_das_social_web_/
http://www.deloitte.com/view/de_DE/de/presse/pressemitteilungen/015abb86cf7e5310VgnVCM3000001c56f00aRCRD.htm
http://www.bkkmitte.de/uploads/media/_Lebenswelten_50plus_Handout.pdf
http://www.derhandel.de/news/technik/pages/Social-Media-Silver-Surfer-moegen-Soziale-Netzwerke-8968.html
http://www.absatzwirtschaft.de/content/online-marketing/news/wie-seniorbook-de-zum-facebook-fuer-senioren-werden-will;78319;0
http://www.lead-digital.de/start/social_media/seniorbook_setzt_auf_weissbier_statt_melissengeist
http://blog.reifenetzwerk.de/2012/06/sind-deutschlands-senioren-fur-social-media-verloren/
http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/silver-surfer-ganz-oder-gar-nicht-a-723306.html
http://www.absatzwirtschaft.de/content/communication/news/maerkte-und-marken-mit-ablaufdatum-seniorenmarketing-kann-gefaehrlich-sein;78456
http://allfacebook.de/zahlen_fakten/jeder-4te-nutzer-zockt-250-millionen-menschen-spielen-jeden-monat-spiele-auf-facebook/

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3 Kommentare

  1. Gulli Ver sagt:

    Vielen Dank für die Beleuchtung eines Themas das aktuell noch etwas übersehen wird. Die „Zielgruppe“ der älteren ist eine sehr schwer adressierbare Gruppe von Menschen. Die Werberesistenz ist hier sicherlich stark ausgeprägt. Will man also die Masse von Morgen erreichen, muss man in eine Communikation treten.

    Warum sage ich die Masse von Morgen. Befasst man sich mit dem Demographischen Wandel so wird schnell klar wer in einigen Jahren den größten Teil der Gesellschaft ausmachen wird.

    Und Menschen die über 50 sind, sind keineswegs Senioren. Je nach dem wie man den begriff definiert. In Spanien oder im englischsprachigen Raum ist ein senior, keineswegs ein vergreister Mensch, sondern jemand der Erfahrung in etwas besitzt. Eine Autorität.

    Daher finde ich den Namen senior-Book sehr gut gewählt. Er zeigt nämlich dass das neue soziale Netzwerk keinerlei Angst hat diesen Namen zu benutzen. Es zeigt auch dass sich die Macher damit beschäftig haben was ein (engl) senior ist…

    Hoffenltich bricht in der Gesellschaft auch das Bild über die Älteren auf. Endlich. Denn jemand der 60 ist, kann heutzutage locker noch auf den Mount Everest steigen…

    • Sarah Herberger sagt:

      Lieber Gulli Ver,

      vielen Dank für Ihren Beitrag und Ihre Gedanken zum Thema.
      Wir finden auch, dass das Thema Social Media Marketing und 50 plus bisher vernachlässigt wird – gerade wenn man, wie Sie sagen, auf den demographischen Wandel blickt.
      Auch wenn die Zielgruppe werberesistenter ist als die Jungen, ist es keine Lösung diese einfach auszublenden und den Wandel in unserer Gesellschaft zu ignorieren. Wie Sie sagen: Diese Zielgruppe wird in einigen Jahren den Großteil unserer Gesellschaft ausmachen. Also ist es aus unserer Sicht essentiell hier im Bereich Social Media Marketing vorbereitet zu sein. Natürlich ist hier eine andere Ansprache und Tonalität erforderlich. Aber dieser Herausforderung sollten sich Unternehmen stellen.

      Vielen Dank für Ihren Gedanken im Hinblick auf den Namen seniorbook.
      Dass Sie das Wort senior aufs Englische beziehen, gibt dem Ganzen noch eine andere Richtung.

      Wir werden das Thema auch in Zukunft aufgreifen und dabei Ihre Gedanken im Auge behalten.

      Viele Grüße
      Sarah Herberger

  2. […] sieht ein Großteil der Deutschen die Best Ager ab 50 Jahren. Eigentlich nicht verwunderlich, denn die Medien machen es ihnen schließlich vor: […]