Unser neues Leben mit Nils und Lars

Die besten Ideen sind meist die einfachsten. Dieses Phänomen gilt nicht erst seit WWW und Web 2.0. Seit mittlerweile 16 Tagen ist Nils online (www.warte-bis-september.de). Nils, der sicherlich uneigennützige Ikea-Fan, der sein gestelltes Leben tagsüber LIVE im Internet präsentiert, gehört mit zu den einfachsten und dennoch genialsten Online-Werbekampagnen überhaupt.

Das die Kampagne besonders ist, zeigt schon dieser Beitrag, denn im Webmatch Blog war bisher von Kampagnen anderer Agenturen nichts zu lesen.

Live-Streams sind ansich nichts besonderes, aber in diesem Live-Stream kann der User mit dem „Darsteller“ interagieren (zumindest hat der Nutzer beim Erstbesuch den Eindruck). Das besondere beim Live-Stream ist die direkte Kontaktmöglichkeit. Hierbei besonders ungewöhnlich ist die Darstellung der Hamburger Festnetznummer, über die man Nils erreichen kann. Allerdings ist „erreichen“ relativ zu verstehen. Nils geht nämlich nie ans Telefon. Mittlerweile ist meistens das Telefon ausgeschaltet und man sieht nur eine blinkende Lampe im Raum. Dafür „twittert“ Nils – allerdings im Stil meiner Oma.

Nils ist langweilig! Stinklangweilig! Trotzdem ertappe ich mich täglich mehrmals dabei, dass ich die schwer zu merkende Domain in meinem Browser eintippe und nach dem aktuellen Stand schaue. Schon sind erste Aaßfresser auf den Zug aufgesprungen und haben Domains wie http://warten-auf-september.de/ registriert und bieten diese zum Kauf an.

Seit den letzten Tagen zerbrockelt die „independent“ Fassade immer mehr, denn Ikea zeigt immer mehr Gesicht. Nicht nur in Form von Schrankwänden, sondern auch durch Liebesausdrücke an Schweden und mittlerweile sogar kurzzeitigen Werbeeinblendungen für den neuen Ikea-Katalog. Die Schweden haben sich auch mitbekommen, dass die Aktion fruchtet.

Gestern war Thomas D. von den Fantastischen Vier bei Ihm zu Gast. Jedoch nur so kurz, dass ich es nicht mitbekommen habe. Länger als 45min kann es jedenfalls nicht gedauert bzw. Thomas D. bei Nils nicht ausgehalten haben. Heute sollte ein „verrückter Elvisfan“ kommen – der kann aber auch höchstens 10 Minuten da gewesen sein, denn auch den habe ich trotz direkter Twitter-Reaktion verpasst. Bestimmt ein total sympathischer Typ, dieser Nils.

Na zum Glück gibt’s ja noch Lars. Wer Lars ist? Lars ist ein leicht übergewichtiger Realschulabsolvent, der es für notwendig hält, sein wirklich optisch höchst unattraktives Tages- und Nachtleben im gleichen Stil im Netz präsentieren möchte (http://www.warum-bis-september-warten.de). Im Gegensatz zu Nils, ist Lars bisher bei ausnahmslos jedem Zugriffsversuch in seiner videoüberwachten Bürozelle gewesen. Entweder sitzt er vor seinem Notebook und man hört, dass er scheinbar mitten auf einer achtspurigen Autobahn wohnt oder arbeitet, oder er spielt Wii.

Abends bekommt Lars Besuch. Heute ist es scheinbar eine ganze Butterfahrt, denn Lars hat in seinem Zimmer große Aufsteller einer Community stehen. Dazu zwei junge Damen, die nichts unversucht lassen, sich mit sexistischen Verhalten in den medialen Fokus zu rücken. Jetzt wird’s ne Werbeveranstaltung und das schon am 9. Live-Tag.

Die Ikea-Idee ist wirklich genial, aber sie funktioniert nicht ewig und nicht überall. Ich bin gespannt, ob es Ikea versteht diese Aktion auch galant wieder zu beenden. Nils sollte man die Exit-Planung jedenfalls nicht überlassen.

*schatz, sind die kötbullar schon fertig*

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