Über den Sinn und die Einsatzmöglichkeiten von QR-Codes

Während in den USA und in den aufstrebenden asiatischen Industrienationen die quadratischen Muster bereits allgegenwärtig sind, ist die Einführung in den deutschen Markt eher schleichend vorangegangen. Gesehen hat sie zwar jeder schon einmal – so um die 13.567 Mal – aber Hand aufs Herz, liebe Smartphone-Besitzer: Wie oft scannen Sie QR-Codes im Alltag? Und hat das Scannen des Codes für Sie einen Mehrwert geschaffen? Durch die voranschreitende Digitalisierung findet das Internet jedenfalls den Weg in den Medien-Alltag mit all seinen Anwendungen. So lösen digitale Medien ältere Formen nicht nur ab, sondern ergänzen sie sinnvoll mit Instrumenten wie beispielsweise einem geschickt eingesetzten QR-Code.

Die Betonung liegt hier auf dem Wort „geschickt“, denn es gibt genügend Beispiele, die zeigen, dass die Codes sich zwar bei den Absendern von Werbebotschaften großer Beliebtheit erfreuen – der Widerhall bei den potentiellen Kunden und Betrachtern allerdings ausbleibt. Oftmals sind sie zu klein, irrelevant oder nicht für mobile Anwendungen optimiert. So wird beispielsweise ein Code auf einem Plakat, das nur aus einem vorbeifahrenden Auto betrachtet werden kann, wohl kaum auf große Resonanz stoßen. Auch der Versuch einer Fluggesellschaft, einen QR-Code im Flugzeug einzuführen, ging schief: Über den Wolken steht meistens keine Internet-Verbindung zur Verfügung.

Der QR-Code ist also ein Instrument, das bei den Betrachtern einen Impuls auslösen sollte, sich schnell zusätzliche Informationen aus dem Internet holen zu wollen. Demnach sollte man sich stets die Fragen stellen: Wohin soll der Code führen? Und was soll der Nutzer dort finden? Konkret: Ein QR-Code muss einen klaren Mehrwert für den Nutzer schaffen.

Wie sieht eigentlich die Nutzung von QR-Codes aus?

Laut einer der aktuellsten Studien ist die Nutzung von QR-Codes in Europa stark gestiegen. Die Studie, durchgeführt von Comscore, einem führenden Marktforschungsunternehmen für die digitale Welt und Internettechnologie, zeigt, dass zwischen Mai und Juli mehr als 17 Millionen Smartphone-Besitzer die Barcodes scannten. Dies sind nahezu doppelt so viele Menschen wie im Vorjahreszeitraum. Jedoch wird auch deutlich, dass die Nutzung im Bereich des Marketings noch in den Kinderschuhen steckt – die QR-Codes werden von der breiten Bevölkerung noch nicht regelmäßig verwendet. Ungefähr die Hälfte der Befragten weiß gar nicht, wie die Codes funktionieren.

Deutschland ist QR-Code-Europameister

Laut internationalem Ranking scannen wir Deutschen ziemlich fleißig. Nahezu ein Fünftel der deutschen Smartphone-Besitzer scannt QR-Codes, meistens, um weitere Informationen für ein Produkt abzurufen. Damit liegen die Bundesbürger im europäischen Vergleich weit vorne.

Wo werden QR-Codes eingesetzt?

Der Einsatz von QR-Codes ist vielseitig. Sie können beispielsweise zuhause, bei der Arbeit oder in der Öffentlichkeit genutzt werden. Hier eine kleine Auswahl:

  • Zuhause: Mittlerweile befinden sich auf den meisten Produktverpackungen QR-Codes mit weiteren Informationen zu dem Produkt oder einer Weiterleitung zu einem Gewinnspiel.
  • Bei der Arbeit: Auf Papier-Visitenkarten (ja, sie sind selbst in Zeiten der Business-Netzwerke noch aktuell) können QR-Codes hinterlegt werden, die auf die jeweilige Unternehmensseite weiterleiten.
  • Öffentlichkeit und öffentliche Verkehrsmittel: Zu finden auf einer Werbetafel oder als Sticker an einer Litfaßsäule. Dient an Haltestellen als Fahrplanauskunft, Navigationshilfe oder sogar als mobiles Ticket.
  • Im Einzelhandel & Supermarkt: Hier kann der Kunde zusätzliche Informationen anfordern oder die Aufschlüsselung der Inhaltsstoffe abrufen.
  • Im Restaurant: Der QR-Code steht im Restaurant oft für eine Umfrage zur Servicequalität oder für einen Gutschein für den nächsten Besuch.

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Wo werden QR-Codes in der EU genutzt?

Wie werden QR-Codes erfolgreich eingesetzt?

Für die Nutzer hat diese Form des Marketings entscheidende Vorteile: So bleiben sie von dem langen Eintippen der URL verschont und müssen beispielsweise nirgendwo einen Coupon-Code eintippen oder gar einen Papier-Gutschein ausschneiden. Meistens sind QR-Codes auch genau dort platziert, wo sie später Verwendung finden sollen. Auch für Unternehmen können sie eine sinnvolle Ergänzung ihrer Werbekampagnen sein:

  • Neukundengewinnung: Um die Zielgruppe auch offline anzusprechen, lassen sich QR-Codes relativ günstig in der Öffentlichkeit einsetzen.
  • Kundenbindung: Um treue Stammkunden zu weiteren Käufen zu animieren, können die Codes ohne Mehrkosten auf Verpackungen oder am Produkt selbst platziert werden.
  • Beratung und Service: Angewendet werden können die QR-Codes auch für Nachbestellungen und umfassende Produktinformationen und Anleitungen. Es muss also nicht immer ein Rabatt oder ein Gratisartikel hinter einem QR-Code stecken.

Ein positives Beispiel für den richtigen Einsatz von QR-Codes ist das Unternehmen Henkel. Früher wurden die Kunden im Einzelhandel noch von Verkäufern beraten. Heute stehen sie meist alleine vor dem Regal und müssen das Richtige auswählen. Dieses Problem wurde von Henkel für ihre Marke Pattex in die Hand genommen: Auf jeder Pattex-Verpackung befindet sich ein QR-Code, in dem erläutert wird, welcher Kleber für welchen Anwendungszweck geeignet ist und wie er verarbeitet werden soll. So kann der Hersteller Pattex den Kunden mit Hilfe von QR-Codes direkt im Laden beraten und seine Kaufentscheidung in seinem Sinne beeinflussen.

Pattex holt das Internet ins Regal   Henkel
QR-Code auf einer Pattex-Verpackung. [Quelle]
Auch das Familienunternehmen Rügenwalder ist als Best Practice Beispiel zu nennen. Um sich möglichst kundennah und transparent zu präsentieren, wurden in die QR-Codes auf die Produkte YouTube-Clips eingebunden, die Hintergrundinformationen über das Unternehmen enthalten. Innerhalb kürzester Zeit ist es ihnen so gelungen, viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und den Kunden positiv in Erinnerung zu bleiben.

Was ist bei dem Einsatz von QR-Codes zu beachten?

In jeder Neuerung lauern auch Fallen. Also eine kurze Auflistung von Punkten, die bei dem Einsatz von QR-Codes in jedem Fall beachtet werden sollten:

  • Dem Kunden einen Mehrwert bieten: Sei es eine App, ein Video oder eine Aktion, die einen Vorgang automatisiert. Die Hauptsache ist, dass dem Nutzer durch das Scannen Zeit erspart wird.
  • Der QR-Code sollte vor seinem Einsatz mehrmals getestet werden. Nichts ist unangenehmer als ein QR-Code, der nicht funktioniert.
  • Da sich die Barcodescanner auf dem Smartphone befinden, ist eine für mobile Endgeräte optimierte Website Pflicht.
  • Sowohl die Größe als auch die Relation zur Anbringungshöhe ist von Bedeutung. Der Ort sollte ebenfalls sorgfältig ausgewählt werden. Fahrzeuge sind beispielsweise genauso wenig geeignet wie plakative Banner, die nur kurzweilig zu sehen sind (z.B. Brückenbanner).
  • Um die Usability für den Kunden zu verbessern, sollte von Anfang an aufgezeigt werden, welchen Mehrwert der QR-Code bringen kann.
  • Auch sollte darauf geachtet werden, dass am Anbringungsort ausreichend Mobilnetz vorhanden ist.

Fazit

Das Potenzial der QR-Codes ist enorm: Es können alle beliebigen Inhalte eingebettet werden – ganz gleich, ob Website-Links, Visitenkarten oder Produktvergleiche. Die zweidimensionalen Codes helfen dabei, jedes Werbemittel mit zusätzlichem Content anzureichern. So wird ein Bogen zwischen der analogen und digitalen Welt geschlagen und zu ein crossmediales Erlebnis entsteht. QR-Codes können bei kreativem und richtigem Einsatz als effektives und sinnvolles Werbemittel genutzt werden.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Unternehmen diese moderne Technik auch sinnvoll und zielgruppenorientiert einsetzen. Denn zu oft wird versucht, mit den QR-Codes ein modernes Image aufrechtzuerhalten, ohne über den wirklichen Sinn und Zweck und die vielfältigen Möglichkeiten nachzudenken.

 

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Ein Kommentar

  1. eduard sagt:

    Ein wirklich klasse und umfangreicher Artikel. Liebe Grüße