Rundumblick: Deutsches Social Web

Facebook ist mit knapp 12.000.000 Mitgliedern in Deutschland unlängst zum wichtigsten Netzwerk geworden. Weltweit steht das 2004 gegründete Netzwerk bereits kurz davor die 600 Millionen Mitglieder Grenze zu überschreiten. Der Gründer und Geschäftsführer von Facebook Mark Zuckerberg zweifelt bereits nicht mehr daran, dass die eine Milliarde-Mitglieder-Grenze in nicht allzuferner Zeit geknackt wird. Das aktuelle Wachstum gibt ihm Recht. Alleine in Deutschland legt das Netzwerk momentan pro Monat um eine Millionen Mitglieder zu. Am Anfang des Jahres 2010 stand Facebook gerade einmal bei knapp 6 Millionen Nutzer. Das ist ein Wachstum, von dem alle drei VZ-Netzwerke selbst in ihren besten Jahren nicht zu träumen gewagt hätten.

Thomas Hutter hat vor ein paar Tagen in seinem Blog einen interessanten Artikel veröffentlicht, in dem er die Nutzung der wichtigsten Netzwerke in Deutschland anhand der Google AdPlanner Statistiken beleuchtet. Während Facebook besonders seit der Einführung der deutschen Benutzeroberfläche Boden gut macht, sinken im Gegenzug die Zahlen bei den VZ-Netzwerken und WKW. Vor allem schwinden die aktiven Nutzer und die Länge der Besuche.

 Facebook ist kein Netzwerk, in dem nur die vermeintlich internetaffine Jugend zu finden ist. Anhand des von Facebook bereitgestellten Tools zur Erstellung von Werbeanzeigen lässt sich relativ genau herausfinden, wie viele Facebook User in den jeweiligen Zielgruppen erreicht werden. Facebook bietet Werbekunden eine sehr spezifische Auswahlmöglichkeit an, wer die Werbung sehen soll. Die wichtigsten Filter sind die Auswahl nach Ort (Land und Stadt + x Kilometern), Alter, Geschlecht, Interessen und Bildungsstand. Weiterhin können die Anzeigen nach Geburtstag, sexuelle Orientierung, Verbindungen, Sprachen und bisherige bzw. aktuelle Arbeitgeber gefiltert werden.

Ein Beispiel: Sollen die Anzeigen nur Frauen zwischen 25 und 40 Jahren, die in Köln oder einem Umkreis von 40 Kilometern leben, sowie in einer Beziehung, verlobt oder verheiratet sind, angezeigt werden, erreicht man genau 145.320 Personen.

Beschränkt man den Filter auf Deutschland und jede Personen zwischen beliebig und 30 Jahren (inkl. genaue Übereinstimmung des Alters) wird die Reichweite mit 7.661.800 Personen angegeben. Alle Anzahl an Personen, die in Deutschland leben und mindestens 31 Jahre alt sind werden mit 4.102.900 angegeben. Wir können hier also von einem 70 zu 30 Verhältnis sprechen. Bei den Nutzern zwischen 13 und 24 Jahren überwiegt leicht der weibliche Anteil, während zwischen 30 und 40 Jahren der männliche Anteil überwiegt. Zwischen 25 und 30 Jahren, sowie ab 40 ist die Verteilung wieder ausgeglichen.

Die VZ-Netzwerke haben leider kein entsprechendes Tool verfügbar, mit dem die Benutzerzahlen ermittelt werden können. Trotzdem sind einige Daten bekannt. Insgesamt kommen die VZ-Netzwerke auf über 17 Millionen Nutzer. Das Wachstum ist bei den VZlern aber eher dürftig. Gerade einmal 2 Millionen Mitglieder war der Zuwachs an registrierten Mitgliedern im den letzten 12 Monaten. Während Facebook nur die Zahl der aktiven Nutzer angibt, also derjenigen, die sich innerhalb der letzten 30 Tage mindestens einmal auf der Plattform angemeldet haben, verkünden die VZ-Netzwerke nur die Zahlen der registrierten Mitglieder. Viele der Mitglieder bei den VZ-Netzwerken loggen sich nur noch ein, wenn sie per Email auf eine eingetroffene Nachricht hingewiesen werden. Facebook hingegen hat vor kurzem, zumindest in den USA, Google überholen können, was die Zeit angeht, welche die Nutzer auf der Plattform verbringen. Weiterhin loggen sich 50% der Nutzer mindestens einmal pro Tag in das Netzwerk ein. Laut IVW mussten die VZ-Netzwerke alleine im September knapp 10% an eindeutigen Besuchern einbüßen. Das sind in Zahlen ein Minus von 40 Millionen Besuchen. Einen Monat zuvor lag das Minus gerade einmal bei 5,5%. Die letzten mir bekannten Zahlen zur Nutzerstruktur stammen vom März diesen Jahres. 4,3 Millionen Mitglieder waren zwischen 15 und 24 Jahre alt. Die Altersgruppen von 25-34, 35-44, 45-54, sowie 55+ liegen jeweils zwischen 2 und 3 Millionen registrierten Mitgliedern. Jedoch muss hierbei wie eben bereits erwähnt beachtet werden, dass es sich bei diesen Zahlen nicht um aktive Nutzer handelt.

Twitter hingegen ist ein interessantes Phänomen. Die Nutzerzahlen in Deutschland sind bei weitem nicht so hoch wie in anderen Netzwerken, jedoch sind die Nutzer gleichmäßig über die verschiedenen Altersgruppen verteilt. Mit 2-3 Millionen Nutzern in Deutschland (die Zahlen schwanken je nach Studie) ist dies noch relativ wenig, doch ist der Anteil an sogenannten „Multiplikatoren“ prozentual höher als bei anderen Netzwerken. Daher ist dieses Netzwerk aus Sicht des Marketings recht interessant. Die Altersgruppen 25-34, 35-44, 45-54, sowie 55+ sind bei Twitter jeweils mit 400.000 bis 500.000 Nutzern vertreten. Die darunter liegende Altersgruppe umfasst circa 600.000 Nutzer.

Mit knapp 9 Millionen Nutzern ist XING weiterhin erfolgreich im Bereich Business Netzwerk. Etwas weniger als 1 Millionen dieser Nutzer zahlen in etwa 5 Euro pro Monat für eine Premium Mitgliedschaft. Im ersten Halbjahr 2010 verbuchte XING ein Wachstum von 10 Prozent. Vor allem Unternehmen können in den Gruppen und auf Unternehmensprofile hochwertige Diskussionen anregen und qualifiziertes Feedback erhalten.

Oftmals unterschätzt wird auch die Videoplattform YouTube, zumindest in der Wichtigkeit für Marketingzwecke. Immerhin ist dies nach Google die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Natürlich ist es notwendig, dort entsprechendes Videomaterial zur Verfügung zu haben. Jedoch lässt sich auch hier je nach Unternehmen, Konzept und Strategie auf Nutzer generierten Inhalt setzen (bei einem eigenen Channel). Mit 320 Millionen Seitenbesuchen und 3,3 Milliarden Seitenaufrufen ist YouTube längst zu einer bundesweiten Freizeitbeschäftigung Vieler geworden. Genau Infos zur Altersstruktur in Deutschland sind leider nicht bekannt. Diese soll jedoch relativ ausgeglichen sein.

Wer also im Socialweb seine Marke, sein Unternehmen oder sein Produkt präsentieren will, sollte vorher ganz genau definieren, in welchen Netzwerken er tätig werden will. Dafür sind selbstverständlich gewissen (wenn auch grobe) Zielsetzungen notwendig. Und damit diese festgelegt werden kann, muss man sich über seine Zielgruppe bewusst sein. Bei der Planung der verschiedensten Konzepte für die Präsenz im Socialweb wird leider auch oft genug vergessen, worum es letztendlich geht: Um die Steigerung des Umsatzes, selbst wenn die Planung mittel- bis langfristig ausgelegt ist. Man ist als Unternehmen nicht aus Spaß an der reinen Kommunikation auf den Netzwerken unterwegs…

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