Praxis-Tipp: Die magische Sieben im Webdesign

Übersichtlichkeit ist im Webdesign von entscheidender Bedeutung. Denn die User entscheiden innerhalb von fünf bis zehn Sekunden, ob ihnen eine Website gefällt. Hinzu kommt die allgemeine Reizüberflutung und Informationsvielfalt in der heutigen Zeit.

Dabei geht es nicht nur um Farbdesign. Vor allem ist hier das Informationsdesign, also die logische Auswahl wichtiger Informationen, von entscheidender Bedeutung. Sicher, es gibt viele andere Elemente, die zur Attraktivität einer Website beitragen – ansprechende Typografie zum Beispiel oder Barrierefreiheit. Wie im Sport entscheidet auch hier das Zusammenspiel über den Erfolg. Der beste Stürmer bringt kaum etwas vor dem Tor, wenn um ihn herum Chaos im Spielaufbau herrscht. Beim Webdesign ist dies nicht anders.

Zur praktischen Orientierung stellen wir Ihnen heute mit der Millerschen Zahl ein grundlegendes Prinzip vor. Es liefert für die Praxis die Grundlage für userfreundliche Navigation und alle anderen Arten der Anordnung und Vermittlung von Informationen im Webdesign.

Was User von einer Website erwarten

Zunächst nehmen wir einen kleinen Umweg. Sie werden gleich sehen, warum! Los geht’s: Der amerikanische Psychologe B. J. Fogg hat in mehrjähriger Arbeit erforscht, was die Nutzer einer Website verleitet, diese als glaubwürdig einzustufen. Foggs zentrale Idee ist „Credibility“, was Glaubwürdigkeit bedeutet.

Ihm zufolge suchen die User wegen der unüberschaubaren Menge an Internet-Inhalten und schwarzen Schafen vor allem Benutzerfreundlichkeit (Usability) und Signale, die Folgendes verdeutlichen: Dass es sich um eine Seite handelt, die hält, was sie verspricht und (Daten-)Sicherheit garantiert. Dabei spielt Webdesign eine entscheidende Rolle.

Es ist hier nicht anders als bei einem Menschen, dem wir begegnen: Der erste Eindruck zählt. Oder würden Sie nicht am ehesten einem freundlichen Vertreter vertrauen, der von Kopf bis Fuß professionell wirkt? So ähnlich ist das bei Websites auch. Der Kern von Foggs Annahme fußt auf den Punkten Prominenz (die Wahrscheinlichkeit, dass ein User ein Element wahrnimmt) und Interpretation. Fogg schreibt, dass es für die Interpretation verschiedene Faktoren gibt:

  • Annahmen des Users
  • Wissen
  • Erfahrung
  • Kulturelle Einflüsse
  • Kontext

Das ist natürlich alles bemerkenswert und sollte unbedingt beachtet werden. Aber hilft Ihnen dieses Wissen gleich sofort weiter? Wohl eher nicht. Aber es gibt ein grundlegendes Prinzip, das für alle Menschen gilt, egal, woher sie kommen und wie viel sie wissen. Sie sind diesem Grundsatz sogar gerade in angewandter Form begegnet!

Webdesign-Basics: Die Millersche Zahl

Oben haben Sie fünf Bullett Points gesehen. Wären es zehn gewesen, hätten Sie dies als unübersichtlich empfunden. Warum das so ist? Ein anderer US-Psychologie, George Armitage Miller, fand in den 50er Jahren eine zugleich einleuchtende und (wie passend!) gut zu merkende Erklärung: Wir können nur 7 plus/minus 2 Informationseinheiten im Kurzzeitgedächtnis behalten. Diese Einheiten nennt man „Chunks“. Ihr Inhalt ist überhaupt nicht von Bedeutung, es kann sich um Buchstaben, Wörter oder Zahlen aller Art handeln.

Diese Erkenntnis ist natürlich nicht in Stein gemeißelt. Es gibt auch eine neuere Studie von 2008, die besagt, dass wir im Durchschnitt nur drei bis vier Chunks behalten können. Wie dem auch sei, grundsätzlich verändert das nicht viel. Vorrangig kommt es darauf an, den User nicht zu überfordern.

Wie gesagt, es ist so, dass wir Websites oft schnell mit dem Auge „scannen“ – zumal in Zeiten des Mobile Web. Das Kurzzeitgedächtnis ist sehr begrenzt, unabhängig von Alter, Intelligenz, Erfahrung oder anderen Faktoren. Deshalb orientiert man sich beim Webdesign lieber nach unten, fünf oder vier Cluster sind allemal besser als neun. Störungen im Alltag sind zudem wahrscheinlicher als Ruhe und beeinträchtigen die Konzentration zusätzlich.

Cluster und Ergonomik beim Webdesign

Eine Nichtbefolgung der Millerschen Regel hat deutliche Konsequenzen. Unübersichtliche Navigation kann schnell dazu führen, dass User die Geduld verlieren und sich gar nicht erst zu vielversprechenden Inhalten durchklicken. Das obige Beispiel mit den Bullett Points hat nur begrenzte Aussagekraft, da es sich um eine reine Auflistung handelt und Sie keine Auswahl treffen konnten. Dabei sollte jedoch das Grundprinzip verständlich geworden sein.

Webdesign basiert auf der Darstellung von gruppierten Informationen. Dabei kommen Cluster (= Gruppen von Objekten mit ähnlichen Eigenschaften) zur Anwendung. Die Regel 7 plus/minus 2 sollte daher bei der Navigation unbedingt angewandt werden. Übrig gebliebene Funktionen (wie Newsletter, Home-Button oder Sitemap) lassen sich gut in grafisch separaten Bereichen unterbringen. Eine zu geringe Auswahlmöglichkeit wirkt sich ebenfalls negativ aus. In diesem Fall fühlt sich der User in seiner Entscheidungsfreiheit eingeschränkt.

Hinsichtlich der Orientierung in der Seitentiefe und des Verkaufsaspektes ist es wichtig, eine übersichtliche Anzahl an Optionen zu bieten. Dann verarbeitet der User alle Informationen mühelos. Aus diesem Grund empfehlen wir immer umfassende „ergonomische“ Designs.

Fazit

Bei der Millerschen Zahl handelt es sich um einen Richtwert, der beim Webdesign sehr hilfreich ist. An „7 plus/minus 2“ kann man sich gut orientieren. Mit diesem Prinzip als Grundlage lassen sich Designs entwickeln, die uns aufgrund unserer allgemeinen mentalen Beschaffenheit perfekt ansprechen. Es ist zwar nur ein Bauelement im großen Ganzen, aber ein sehr wichtiges.

Vor allem sind damit viele weitere Aspekte verknüpft. Unübersichtliches Webdesign ohne sinnvolle Struktur wird User davon abhalten, sich weiter zu informieren oder ein Produkt zu kaufen. Eine komplette Fehlanzeige hinsichtlich gewünschter Conversions. Dies schlägt sich auch in einer hohen Bounce Rate nieder: Wenn viele User schnell wieder eine Website verlassen, leidet auch die Position in den Google-Suchergebnissen. Das ist jedoch ein anderes Thema.

Gibt es einen weiteren konkreten Aspekt des Online Marketings, zu dem Sie gerne einen Praxis-Tipp lesen würden? Wir freuen uns in den Kommentaren auf Ihre Ideen und helfen Ihnen gerne weiter! Oder schauen Sie doch einmal hier vorbei, wenn Sie einen erfahrenen Partner für die Entwicklung von Websites oder sonstigen Webprojekten benötigen.

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Ein Kommentar

  1. Sebastian Knoll sagt:

    Ein sehr lesenswerter Artikel! In der Tat sollte man bei der Websitegestaltung systematisch vorgehen und sich im Voraus umfassend informieren. Die Folgen eines unpassenden oder gar schlechten Webdesigns können durchaus fatal sein und der Positionierung der Website, und somit auch dem Unternehmen im Allgemeinen, schaden. In Ergänzung zu diesem Artikel empfehle ich mal eine umfassende Recherche auf omlia.de – hier befindet sich eine Übersicht kostenfreier E-Books zum Thema Online-Marketing, Webdesign und vielem mehr.