Pinterest als Marketing-Tool nutzen

Pinterest ist das am stärksten wachsende soziale Netzwerk der Welt. Auch in Deutschland ist die bis jetzt noch relativ unbekannte Plattform auf dem Vormarsch. Was Pinterest so besonders macht, ist schnell erklärt: Die digitale Pinnwand entspricht dem Trend zu mehr Bildern im Netz, kombiniert mit der steigenden mobilen Internetnutzung.

Aufgrund der beliebten Themengebiete Food, Bekleidung, Design, Inneneinrichtung und Reisen behaupten zwar böse Zungen, Pinterest sei nur etwas für amerikanische Hausfrauen. Der Dienst kann jedoch marketing-technisch für Unternehmen durchaus sinnvoll sein. Wichtig ist es, einige Dinge zu beachten und an das Ganze strategisch anzugehen. Doch wie schafft man als Unternehmen den Durchbruch auf Pinterest? 

Was genau ist Pinterest eigentlich?

Pinterest ist ein soziales Netzwerk, über das man eigene Inhalte oder ausgewählte Bilder aus dem Internet mit anderen teilen kann – die sogenannten Pins. Neben den dominierenden Bildern ist es auch möglich, animierte GIFs oder Videos hochzuladen. Der Hauptaugenmerk liegt allerdings auf den Fotos. Auf der eigenen Pinnwand können Boards angelegt werden, in die man thematisch Bilder einsortiert, die einem aus unterschiedlichen Gründen gut gefallen, jeweils ergänzt um eine kurze Beschreibung.

Bei der Fantasie der hochgeladenen Inhalte sind keine Grenzen gesetzt. Mit einem Klick auf den „Pin it“-Button können diese anschließend in eines der eigenen Boards eingefügt werden. Neben dem Verfolgen von einzelnen Nutzern und interessanten Boards können die Pins auch kommentiert, gelikt und weitergepinnt werden.

Die aktuellsten Zahlen, die den Traffic des Netzwerks bewerten, sind diese aus dem September 2012 von Shareaholic. Demnach soll Pinterest mittlerweile 1,84 Prozent des untersuchten Traffics bringen und damit mehr als Twitter, Bingo oder Yahoo. Damit ist Pinterest sicherlich noch kein Traffic-Booster, aber die Entwicklung lässt aufhorchen und Unternehmen sollten die digitale Pinnwand definitiv im Auge behalten.

Social Media Traffic Report September 2012 - September 2013.
Social Media Traffic Report – Shareaholic

Was tun, um als Unternehmen auf Pinterest wirklich durchzustarten?

Mit Pinterest haben Unternehmen die Möglichkeit, ein Profil zu erstellen und so mit ihrer Zielgruppe in Kontakt zu treten. Das Profil, in Kombination mit der Mechanik, die auf sozialen Netzwerken üblich ist (Fotos veröffentlichen und im Bekanntenkreis teilen) bietet ein großes Potential für Marketing und E-Commerce. Wenn beispielsweise einem Nutzer das Produkt eines Unternehmens gefällt, kann er es auf seine Pinnwand heften und es damit anderen Nutzern weiterempfehlen.

Das US-amerikanische Modelabel GAP zeigt, wie eine geschickte Pinterest-Nutzung im Unternehmenskontext aussehen kann. Ja, für Modehersteller ist das soziale Netzwerk in der Tat eine ideale Spielwiese. GAP schafft es jedoch vorbildlich, seine Produkte durchdacht und – vor allem – stark auf die Community zugeschnitten zu präsentieren. So gibt es neben den Pinnwänden der Produkte und Werbekampagnen auch eine Pinnwand für Kunden und Fans, auf der sie ihre gestalteten und getragenen Outfits aus der GAP-Kollektion präsentieren können.

Gap auf Pinterest
Screenshot Pinterest-Pinnwand von GAP

Zusätzlich können die Bilder mit Affiliate-Links versehen werden, die den Nutzer beim Anklicken des Bildes auf den Online-Shop oder die Website des Unternehmens weiterleiten. Der User, der das Bild hochgeladen und verlinkt hat, bekommt dann eine kleine Provision, wenn jemand das Produkt aufgrund des Affiliate Links gekauft hat. Dabei handelt es sich um klassisches Empfehlungsmarketing  – und das ganz ohne die Aufforderung durch das Unternehmen. Aus diesem Grund ist es wahrscheinlich gerade so erfolgreich. Allerdings sollten Unternehmen einige Aspekte befolgen, wenn sie sich dazu entschließen, Pinterest in ihre Social- Media-Strategie einzubinden.

Tipp 1: Den Pin-it-Button nutzen

Viele Websites haben es bisher versäumt, Pinterest-Buttons in ihre Artikel und Bilder zu integrieren. Wer das Ziel verfolgt, dass die eigenen Fotos und Bilder von der Website häufiger geteilt werden, sollte natürlich auch entsprechende Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Der Pinterest-Button kann wahlweise in die Nähe des Bildes oder aber direkt in das Bild eingebaut werden. Tests haben bereits gezeigt, dass Bilder und Fotos, die sich in direkter Nähe zu einem Sharing-Button befinden, auch deutlich häufiger geteilt werden.

Tipp 2: Den eigenen Pinterest-Account bewerben

Vielen leuchtet dieser Punkt wahrscheinlich ein, dennoch wird er gerne vergessen. Jedem Website-Betreiber sollte klar sein, dass er auf Pinterest und das eigene dortige Profil hinweisen muss. Solch ein Hinweis ist innerhalb von fünf Minuten erstellt und direkt einsatzbereit. Oft bieten soziale Netzwerke, also auch Pinterest, selbst entsprechende Hilfsmittel an. Wichtig ist vor allem, diese auch zu nutzen, ansonsten verschenkt man einiges an Potential.

Tipp 3: Aussagekräftige Beschreibungen für eigene Pins nutzen

Es muss genügend Content muss vorhanden sein, um für den eigenen Pinterest-Account werben zu können. Ob das nun eigener oder Inhalt von Dritten ist, ist da nebensächlich. Mit dem „Kuratieren“ von Inhalten signalisiert man jedenfalls den Lesern, dass man sich mit eigenen Themen beschäftigt, aber auch mit Dingen auseinandersetzt, die nicht aus den eigenen Quellen stammen.

Tipp 4: Andere Pinterest-Nutzer in eigenen Pins taggen

Taggen Sie andere User per @-Zeichen. Was man bereits von Facebook oder Twitter kennt, klappt auch bei Pinterest ganz einfach. Sinnvoll ist es vor allem, wenn man einen Pin „repinnt“. Der getaggte User wird dann darüber informiert, dass er in einem Beitrag erwähnt wurde. Diese Erwähnung sorgt wiederum dafür, dass der angesprochene Pinterest-User sich mit Ihrem Profil auseinandersetzt.

Tipp 5: Interessanten Leuten oder Pinnwänden folgen

Legen Sie eine wirklich passgenaue und gute Liste mit lohnenswerten Accounts rund um das eigene Themengebiet. So werden Sie auf gute Inhalte aufmerksam, an denen Sie sich orientieren können oder die sich für eine Kuratierung eignen. Außerdem machen Sie den jeweiligen User – genau wie beim Repin – aufmerksam. Übrigens kann man auch einzelnen Pinnwänden folgen: Hier erhält man gleich einen ganzen Schub von Bildern und Fotos, die im eigenen Themengebiet angesiedelt sind.

Tipp 6: Rich Pins nutzen

Vor einigen Monaten führte Pinterest die „Rich Pins“ ein, die eine weitere interessante Möglichkeit für Unternehmen darstellen. Rich Pins enthalten nämlich mehr Informationen zum Pin als nur ein einfaches Bild. Derzeit stehen folgende Arten zur Verfügung:

  • Place Pins: Bei diesem Pin ist es möglich, Orte (Karte, Adresse, Telefonnummer) hinzuzufügen. Diese Funktion ist besonders interessant bei Destinations-Boards, wo die einzelnen Orte auf einer interaktiven Karte nachvollzogen werden können.
  • Article Pins: Dieser Pin enthält eine Headline für eine kurze Inhaltsbeschreibung und den Autor. Diese Funktion ist ideal, um Leselisten zu erstellen und den Artikel für später zu „bookmarken“.
  • Product Pins: Bei diesem Pin können aktuelle Produktinformationen wie Preis oder Verfügbarkeit sowie ein Link zur Produktseite hinzugefügt werden.
  • Rezept-Pins: Dieser Pin enthält Informationen über Zutaten, Zubereitungsdauer und Serviertipps. Diese Funktion ist also besonders für Cafés und Restaurants interessant.
  • Film Pins: Der Film-Pin enthält Informationen über Freigabebeschränkungen, Darsteller und Rezensionen.

Ein relativ kleiner Nachteil an den Rich Pins ist, dass Website entsprechend vorbereitet und validiert werden muss, um diese Funktion nutzen zu können. Wenn dies aber der Fall ist, bieten Rich Pins nicht nur mehr Informationen und fallen im Stream mehr auf, sondern ziehen auch automatische Updates von der Website. Dies geschieht etwa, wenn sich der Preis eines Product Pins ändert. Oder aber sie informieren die Pinner über Sale-Aktionen per E-Mail.

Wie sieht das perfekte Pinterest-Bild aus?

Bei Pinterest gilt: Mühe geben! Denn nicht nur bei Texten heißt es „Content ist King“, sondern auch bei Bildern und Fotos ist dies der Fall. Dabei müssen die Bilder nicht immer eine Geschichte erzählen, oft reicht es auch, wenn sie einfach schön, interessant oder sehenswert sind.

Wer hochwertigen Content bieten kann und diesen gut sichtbar auf seiner Website platziert, profitiert gleich doppelt von dessen Wirkung. Die Bilder dafür nicht nur im oberen Bereich der Homepage platzieren, sondern groß und prominent mit einbinden, denn die Zeit der kleinen Bild ist vorbei. Es wird ein Mindestmaß von 640 mal 360 Pixeln empfohlen. Sollten Bilder und Fotos nicht in hochwertiger Qualität zur Verfügung stehen, kann man diese mit einem simplen Trick aufwerten: Einfach das Bild mit einem Text ergänzen, der sich direkt auf das Thema bezieht.

Der Leser versucht dann ganz unwillkürlich, den Text zu erfassen und setzt sich so aufmerksamer mit dem Bild auseinander. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Leser dann über das Bild den Weg zu Pinterest findet. Der zusätzliche Text sollte allerdings nicht zu lang sein und auf jeden Fall dafür sorgen, dass die Lesbarkeit gegeben ist. Eine Untersuchung von Cuaralate zeigt, welche Arten von Bildern bei Pinterest am Besten ankommen. Wenn Ihr die komplette Infographik sehen möchtet, findet Ihr sie hier.

  • Bilder mit mehreren Farben

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  • Bilder, die weder besonders dunkel, noch besonders hell sind

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  • Bilder, auf denen möglichst wenig Hintergrund zu sehen ist

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  • Bilder in Rot-, Orange- und Brauntönen werden doppelt so häufig gepinnt als Bilder in Blautönen

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  • Bilder ohne Gesichter

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 Fazit

Pinterest kann zwar andere soziale Netzwerke nicht ersetzen, spielt dafür aber seine Stärken im Bereich des visuellen Marketings voll aus. Wenn man die digitale Pinnwand geschickt einsetzt kann sie dazu beitragen, die Bekanntheit der eigenen Website und des Online-Shops viral zu steigern und mehr Besucher zu akquirieren.

Besonders interessant ist das für Unternehmen und Marken, wenn sie Produkte vermarkten, die den beliebten Themen Bekleidung, Food, Design, Inneneinrichtung und Reisen entsprechen. Wenn man dann noch qualitativ hochwertiges Bildmaterial auf der eigenen Website verwendet, sollte man sich die Chance, die Pinterest in puncto zusätzlicher Reichweite bietet, nicht entgehen lassen.

Update: Soeben wurde bekannt, dass der Fotodienst Pinterest sein Angebot um eine Messaging-Funktion ergänzt, welche für alle Nutzer weltweit zu Verfügung stehen wird. Mit dieser Funktion schließt sich die soziale Plattform dem Trend zu privaten Nachrichten auf Online-Diensten an. Uns zeigt es gleichzeitig, dass sich Pinterest stetig weiterentwickelt und sich noch ein Grund mehr ergibt, den Bilderdienst als Unternehmen im Auge zu behalten.

 

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2 Kommentare

  1. Thomas sagt:

    Von dem was man so mitbekommt, ist Pinterest noch nicht wirklich auf den deutschen Markt angekommen.
    So geht dieser Artikel wenig darauf ein, wie sinnvoll es für deutsche Unternehmen sein kann. Schade.

    Interessant wäre mal zu wissen, wie viele deutsche User Pinterest hat und welches dt. Unternehmen davon bereits profitiert.

  2. […] auf Instagram hinsichtlich der Generierung von Traffic. In Posts ließen sich, im Gegensatz zu Pinterest, keine Links einfügen. Oft wurde der Trick angewandt, im Text auf den (erlaubten) Link in der […]