Interview: 13 Fragen an Barzahlen

Verbraucher haben oft Bedenken, wenn es beim Online-Shopping um die Bezahlung geht: Immer wieder müssen sensible Daten, wie zum Beispiel die Kreditkartennummer oder die Kontonummer angegeben werden. Der Service Barzahlen greift genau diese Bedenken auf, in dem den Nutzern die Möglichkeit geboten wird, ihren Rechnungsbetrag bar bei einem stationären Handel zu bezahlen.

Wie das funktioniert? Ach, eigentlich ganz einfach: Der Nutzer kauft wie gewohnt im Online-Shop ein. Nach Abschluss seiner Bestellung erhält er eine Rechnung mit einem aufgedrucktem Barcode. Diesen druckt er aus und nimmt ihn mit mit zur nächstgelegenen teilnehmenden Filiale, bei der er seinen Online-Einkauf begleichen kann. Gleichzeitig wird der Online-Shop über die Zahlung benachrichtigt und verschickt die Ware direkt an den Kunden. Sollte kein Drucker zur Verfügung stehen, bietet Barzahlen die Möglichkeit, sich den Barcode auf das Handy schicken zu lassen.

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Florian Swoboda

Hinter Barzahlen steckt ein Team aus drei Gründern, bestehend aus Achim Bönsch, Sebastian Seifert und Florian Swoboda. Sie haben zusammen an der WHU studiert und zunächst unterschiedliche berufliche Erfahrungen gesammelt, bevor sie Barzahlen gegründet haben. Florian Swoboda hat Webmatch verraten, wie die Idee entstanden ist, wie der Service funktioniert und wie die unternehmerische Zukunft aussieht.

Webmatch: Im Internet einkaufen und beim Händler in bar bezahlen – klingt erst einmal nicht nahliegend und schwer umsetzbar. Wie sind Sie auf die Idee „Bargeld online verfügbar“ zu machen gekommen?

 

Florian Swoboda: Ich habe in meiner früheren Tätigkeit gesehen, dass sehr viele Online-Einkäufe bei der Auswahl der Zahlungsart abgebrochen werden. Mein Mitgründer war zur gleichen Zeit bei einer Strategieberatung im Einzelhandel tätig. Dort bricht niemand im Laden an der Kasse den Einkauf ab. Bei näherer Betrachtung war der einzige Unterschied das Vorhandensein von Bargeld. Dann sind wir im Ausland auf die Suche gegangen, haben ähnliche Bargeld-basierte Zahlverfahren gefunden, die sehr erfolgreich waren und uns entschlossen, „Barzahlen“ zu gründen.

Webmatch: Eine wagemutige und gleichzeitig interessante Idee, wenn man bedenkt, dass heutzutage die meisten Menschen online einkaufen, mehrere Kreditkarten besitzen und kaum mehr Bargeld in der Tasche haben. Welche Gründe haben die Kunden, die Onlineeinkäufe stationär in bar zu zahlen?

Florian Swoboda: Wirklich? Mehr als ein Fünftel der Internetnutzer hat noch nie online eingekauft und laut Deutscher Bundesbank besitzt gerade einmal ein Drittel der Deutschen über 18 Jahren eine Kreditkarte. Der Bargeldbestand in den Portemonnaies dagegen ist relativ hoch: 103€ trägt der Durchschnittsdeutsche mit sich herum. Geld, das vor Barzahlen für den Online-Handel verloren war. Unsere Kunden teilen sich in zwei Gruppen. Zum einen sind das Kunden, die sehr datensensitiv sind, im Regelfall etwas älter und nicht mit Internet und Online-Shopping aufgewachsen. Zum anderen ist es eine junge Zielgruppe, die nicht über den Zugang zu Online-Zahlungsverfahren (Kreditkarte, PayPal, Rechnungskauf, Lastschrift) verfügt. Das können Schüler, Studenten und noch einkommensschwache Berufsanfänger sein.

Webmatch: Wie sieht der Barzahlungsprozess beim Kunden dann genau aus, wenn er einen Artikel in einem Onlineshop gekauft hat?

Florian Swoboda: Der Kunde bekommt bei Bestellabschluss im Online-Shop einen Zahlcode, den er sich ausdruckt oder als SMS auf sein Handy schicken lässt. Der Code wird in der Filiale an der Kasse eingegeben bzw. gescannt. Der Kunde zahlt mit Bargeld und die Kasse überträgt die Zahlungsbestätigung automatisch an den Online-Händler, der die Ware sofort risikofrei versenden kann.

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So funktioniert die Bezahlung mit Barzahlen.

Webmatch: Wie findet der Kunden die teilnehmenden Filialen?

Florian Swoboda: Die Filialen in der näheren Umgebung stehen auf dem Zahlschein, in der Bestellbestätigungs-E-Mail und der Kunde hat die Möglichkeit über einen Filialfinder auf unserer Homepage oder unsere kostenlose App nach Filialen zu suchen.

Webmatch: Sehen Sie Ihre Zielgruppe eher in der Stadt oder auf dem Land?

Florian Swoboda: Wir sehen unsere Zielgruppe in ganz Deutschland. Die Nutzung deckt sich etwa mit der Bevölkerungsdichte der Region.

Webmatch: Wie sieht die Abdeckung in ländlichen Bereichen aus?

Florian Swoboda: Natürlich arbeiten wir konstant an der Vergrößerung unseres Partnernetzwerks. Unser Einzelhandelsnetz umfasst derzeit über 3000 Filialen deutschlandweit. Das sind mehr Filialen, als die drei größten Fast-Food-Ketten hierzulande zusammen haben und auch mehr als die größte deutsche Privatbank. Ich würde sagen, dass wir für die große Mehrheit der Deutschen sehr gut zu erreichen sind.

Webmatch: Mit welchen Entfernungen zu den jeweiligen Händlern muss der Nutzer im Durchschnitt rechnen?

Florian Swoboda: Durchschnittlich kann jeder Barzahlen-Kunde in unter 10 Minuten eine Filiale zur Bezahlung erreichen.

Webmatch: Welche bekannteren Onlineshops verwenden bereits Ihren Service?

Florian Swoboda: Barzahlen ist derzeit bei über 500 Online-Shops möglich. Mit dabei sind etablierte Marken wie Schiesser.de, Reisenthel und Expert Technomarkt, junge Shops wie Boomstore, meinfoto.de und Chocri aber auch Marktplätze wie Hitmeister.

Webmatch: Welche konkreten Vorteile liefert Barzahlen dem Kunden?

Florian Swoboda: Der Kunde muss online keinerlei Finanzdaten eingeben und kann so ganz sorgenfrei shoppen. Zudem ist Barzahlen wirklich jedem Menschen zugänglich. Das unterscheidet uns von anderen Zahlungsanbietern. Dann gibt es noch ganz konkrete Vorteile gegenüber einzelnen Zahlungsarten, wie z.B. Vorkasse. Der Versand der Ware durch den Händler kann mit Barzahlen sehr viel schneller erfolgen, weil von Bezahlung bis Versand nicht die üblichen 2-3 Tage Banklaufzeit abgewartet werden müssen. Außerdem verlangen viele Banken Gebühren, wenn die Überweisung nicht online sondern auf dem klassischen Weg getätigt wird. Barzahlen ist für den Kunden kostenfrei, was uns wiederum von der einzigen anderen Möglichkeit bar zu bezahlen unterscheidet, der Nachnahme.

Webmatch: An welcher Stelle verdient das Unternehmen Barzahlen?

Florian Swoboda: Barzahlen verdient genau wie jeder andere Zahlungsdienstleister über eine Gebühr pro Transaktion. Die Konditionen sind dabei kompetitiv zu anderen Zahlarten.

Webmatch: Wie ist die bisherige Resonanz bei den Nutzern von Barzahlen? Wie ist die Meinung Ihrer stationären Partner?

Florian Swoboda: Sehr positiv! Über eine Kundenbefragung haben wir herausgefunden, dass über 96% unserer Kunden Barzahlen wieder nutzen und weiterempfehlen würden. Auch unsere Handelspartner sind sehr zufrieden über Kundenfrequenz und Neukunden, die z.B. über den Einsatz von Treuekarten ausgewertet werden.

Webmatch: Als Shopware-Partner sind wir natürlich auch sehr interessiert, welche Anbindungsmöglichkeiten es für Onlineshops, insbesondere für Shopware gibt. Werden von Ihnen hier bereits fertige Schnittstellen zu den bekannten Shopsystemen angeboten?

Florian Swoboda: Wir bieten fertige Schnittstellen zu einem guten dutzend Shopsysteme, darunter auch Shopware. Wir unterstützen über unseren Integrationssupport auch gerne jeden Shop individuell. Sollte nicht die passende Schnittstelle zur Verfügung stehen, bieten wir SDKs, die die Integration über unsere API noch einmal erheblich erleichtern.

Webmatch: Können Sie uns etwas zu Ihren nächsten Plänen und Zielen verraten? Wo soll es mit Barzahlen hingehen?

Florian Swoboda: Zunächst möchten wir unser Zahlverfahren in Deutschland etablieren und neben dem E-Commerce weitere Geschäftsfelder erschließen. Es ist z.B. seit letztem Jahr möglich, auch seine Stromrechnung mittels Barzahlen zu begleichen. Mittelfristig wird auch das Thema Internationalisierung für uns interessant.

Webmatch: Vielen Dank für Ihre Antworten und weiterhin viel Erfolg mit Barzahlen! 

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