Google+ als Marketing-Tool nutzen

Schon längst haben sich die sozialen Netzwerke aus dem privaten Leben in die Arbeitswelt geschlichen. Klar – für uns in der Medien-Branche sowieso, aber auch Unternehmen und Marken aus anderen Branchen entwickeln immer mehr Interesse daran, auf sozialen Plattformen aktiv zu werden und Menschen digital zu erreichen.

Mit Google+ ist 2011 ein weiteres Netzwerk eines der stärksten Internetunternehmen der Welt entstanden, dessen Potential als Marketing-Tool nicht unterschätzt werden sollte. Eine aktuelle Studie der Socialbakers zeigt zwar, dass nur rund 14,1 Prozent der 500 befragten Marketing-Experten dem sozialen Netzwerk eine hohe Priorität im Bereich Marketing einräumen. Dennoch gibt es aber einige Gründe, die zeigen, dass es als Unternehmen nicht verkehrt ist, sich eine Präsenz auf Google+ aufzubauen.

Socialbakers-Umfrage unter Marketing-Experten.
Anteil der Marketing-Experten, die den Social Media Kanälen 2014 hohe/keine Priorität zusprechen [Quelle: Socialbakers]

Vier gute Gründe, um als Unternehmen auf Google+ präsent zu sein

Grund 1: Seiten und Posts auf Google + sind suchmaschinenfreundlich

Google+ ist zweifellos Googles SEO-Liebling. Es erweckt nahezu den Eindruck, dass das soziale Netzwerk ganz im Hinblick auf Suchmaschinenfreundlichkeit ausgerichtet ist. Damit wird Google+ eine Relevanz verliehen, die vielleicht nicht mit ganz fairen Mitteln erreicht wird. Google+ ist so crawlerfreundlich gestaltet, dass Googles Informationssammler (die Crawler) hier wesentlich mehr verwertbare Informationen finden als auf anderen sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook.

Aufgrund der besseren Crawlbarkeit können auch öffentlich gepostete Beiträge auf Google+ eigenständig in den Suchergebnissen aufgelistet werden, sodass neben dem eigentlichen Unternehmensprofil auch einzelne Posts in der Suche auftauchen. Google+ bietet somit also gleich mehrere Optionen, die Nutzer direkt in der Google-Suche abzufangen.

Grund 2: Gezielte Kommunikation

Jeder Nutzer kann bestimmte Personen bestimmten Gruppen beziehungsweise „internen“ Kreisen, sogenannten „Circles“, zuordnen. Da er mit Kunden womöglich anders kommunizieren möchte als mit geschäftlichen Partnern, erlaubt es Google+, auf einfachem Wege Informationen zielgenau zu adressieren. So ist es über Google+ möglich, sowohl B2B- als auch B2C-Kontakte zu pflegen, ohne dass sich eine der Gruppen durch Beiträge an die jeweils andere Gruppe gestört fühlt.

Ebenso lassen sich potentielle Kundengruppen und Mitarbeiter gezielt ansprechen und akquirieren. Gerade in Zeiten, in denen Kunden es gewohnt sind, so individuell wie möglich angesprochen zu werden, ist eine gut sortierte und gezielte Kommunikation unabdingbar.

Grund 3: Empfehlungsmarketing

Auf Empfehlungsmarketing kann heute wohl niemand mehr verzichten. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass Menschen eher ihren Freunden und Bekannten vertrauen als Werbebotschaften. Dies ist auch einer der wichtigsten Gründe, warum es die Unternehmen in die sozialen Netzwerke zieht. Seit längerem werden hier Produkte empfohlen – und das für alle Freunde sichtbar. Der Nachteil an dieser Methode ist folgender: Soziale Netzwerke sind nicht die Umgebung, in der die Nutzer es gewohnt sind, einzukaufen oder Kaufentscheidungen zu treffen. Zwischen der Empfehlung und dem tatsächlichen Kauf liegt häufig ein Wechsel der Plattform.

Google+ lässt genau diese Grenze verschwinden. Jede Empfehlung, die auf dem sozialen Netzwerk gegeben wird, ist auch in der normalen Google-Suche sichtbar. So erreichen die Nutzer die Empfehlungen ihrer Freunde auch dann, wenn sie sich gar nicht auf Google+ aufhalten. Schlussendlich bedeutet dies, dass die Empfehlung zu der Zeit und an dem Ort ins Auge fällt, an dem der Nutzer tatsächlich im Begriff ist, einen Kauf vorzubereiten und zu tätigen.

Grund 4: Eine Extraportion Social Media

Nicht nur, dass es auf Google+ relativ schnell und einfach möglich ist, verschiedene Zielgruppen auf einer Plattform zusammenzuführen.  Das Netzwerk zeigt sich auch anderweitig gütig und vereint Eigenschaften und Vorteile gleich mehrerer Social-Media-Riesen. Google+ erlaubt beispielsweise eine Post- und Kommentarfunktion und bietet die wesentlichen Funktionen einer Facebook Fanpage.

Die Zeichenanzahl ist dabei aber nicht wie bei zum Beispiel Twitter begrenzt und die Beiträge sind für Suchmaschinen sehr gut zugänglich. Daher lässt sich das soziale Netzwerk ebenso als Corporate Blog nutzen, um Neuigkeiten zu verbreiten. Hashtags werden ebenfalls genutzt, um einen Beitrag einem ganz bestimmten Thema oder einer Diskussion zuzuordnen. Auch wird die interne Suche, wie bei Twitter, in Echtzeit aktualisiert.

Fazit

Wie haben sich alle gefreut, als Google vor drei Jahren bekannt gab, dass sie ihr eigenes soziales Netzwerk starten: Endlich eine Alternative zu Facebook! Die Möglichkeit von Google+, sich an den Social-Media-Giganten anzunähern, war unverkennbar und auch die aufgezählten Gründe sprachen für sich – doch mithalten konnte die soziale Plattform letztendlich nicht. Google+ fehlt die kritische Masse an aktiven Usern, um das Potential im großen Stil auszuschöpfen. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass Google+ als soziales Netzwerk schon bald nicht weiter existieren dürfte.

Laut TechCrunch wird ein Großteil des bisherigen Teams, das an dem 2011 veröffentlichten Google-Produkt mitgearbeitet hat, aufgelöst und die entsprechenden Mitarbeiter auf andere Teams verteilt. Eine Umstrukturierung steht an: Google+ wird auf die Plattform-Rolle reduziert und weniger als eigenständiges Online-Netzwerk vermarktet. Dennoch soll der Service in Zukunft weiterhin in Googles existierende Produkte integriert werden (beispielsweise für die Kommentarfunktion bei YouTube). Somit dürftem Unternehmen den Dienst durchaus weiter in Anspruch nehmen.

Alleine aufgrund der SEO-Stärke ist Google+ jedoch für Unternehmen relevant, da die Beiträge das Google-Ranking fördern. Larry Page, Mitgründer von Google, bringt es auf den Punkt: „If you ignore Google plus, Google search will ignore you“. Und welches Unternehmen kann es sich im Online-Marketing schon erlauben, von Google ignoriert zu werden?

 

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2 Kommentare

  1. Ich finde es wenig hilfreich, dass immer wieder Statistiken aus dem Hut gezogen werden, die das Nutzerverhalten aus den USA oder wie hier weltweit abbilden. Das ist hier im Artikel leider total undifferenziert wiedergegeben. Man könnte den Eindruck gewinnen, es handle sich um Erhebungen, die auch für uns hier relevant sind. Dabei fällt Deutschland beim Social Media Nutzerverhalten stark raus. Das liegt vor allem an unserer demographischen Struktur, die sich so in wenigen anderen Ländern wiederfindet. Und es liegt am schwachen Internetausbau hierzulande, sowie zu wenig StartUps im Bereich Internet.

  2. Mael Roth sagt:

    Ich kann Oliver hier nur zustimmen. In 80% der Fällen handelt es sich um Daten, die auf dem US-Markt relevant sind, sich aber höchstwahrscheinlich nicht auf DE übertragen lassen. Letztens war ich auf der suche nach solchen Umfragen und Studien, um einz Kommunikationsstrategie für einen Kunden zu erklären, doch man stößt immer auf solche Ergebnisse, die für DE wahrscheinlich gar nicht stimmen. Das ist ärgerlich, wenn es bei Google gut rankt ^^