BarCamp Bonn 2015 Recap: Webmatch vor Ort

Am vergangenen Samstag war ich auf dem 1. BarCamp Bonn. Die Themenauswahl war wie erwartet breitgefächert. Zurück nach Köln gebracht habe ich daher viel Input und tolle Eindrücke. Ich habe mich für diese Vorträge entschieden:

  • Hashtology #fails #success
  • Social-Media-Monitoring & Content Strategy
  • 4 Phasen einer Content-Strategie
  • Blogger Relations + Influencer Management

Im Folgenden gebe ich einen kurzen Überblick, was in den einzelnen Beiträgen besprochen wurde.

#hashtology #1: Popularität und Segen der Raute

Hashtags sind ein sehr wirksames Werkzeug zur Generierung von Aufmerksamkeit – in positiver wie negativer Hinsicht. Im gleichermaßen informativen und unterhaltsamen Vortrag „Hashtology #fails #success“ der Social-Media-Experten Corina Pahrmann (@Buchstabensucht) und Alexander Plaum (@lxplm) ging es um diese beiden Seiten der Twitter-Medaille. Ihr Beitrag, den sie in ähnlicher Form bereits beim ersten TweetCamp in Köln gehalten haben, sorgte gleich für einen überfüllten Raum.

Dies überrascht nicht, denn Hashtags sind zu Recht sehr beliebt, gerade wenn es darum geht, User Generated Content in eine gewünschte Richtung zu lenken. Kampagnen wie #makeitcount von Adidas für das FuelBand schlagen hohe Wellen und sind in eine hocheffektive ganzheitliche Kampagne eingebettet. Vor allem lässt sich aber aus exemplarischen Fehlern lernen.

# hashtology #2: So lieber nicht

Wie schnell nämlich der gegenteilige Effekt eintreten kann, zeigten Pahrmann und Plaum ebenfalls sehr anschaulich. Neben mehrdeutigen Hashtags, die mühelos durch eine leichte Variation ins Lächerliche gezogen werden können, beschwört auch der Missbrauch von Trending Topics Ärger geradezu hinauf. Generell sollte es immer einen konkreten Bezug zum Unternehmen oder Produkt geben. Ansonsten wird der Tweet zwar vermutlich leicht gefunden, aber nicht zur Freude der User – und erst recht nicht zugunsten des Unternehmens ausgelegt.

Eine ebenfalls lehrreiche Variante von Twitter-Misserfolgen sind Fälle des Hashjacking (Hashtag Highjacking). Dabei fallen bestehende Hashtags dem ironischen „Kapern“ der User zum Opfer. Zu den bekanntesten Beispielen zählt die Kampagne #mynypd, mit der die New Yorker Polizei ihr Image aufpolieren wollte. Das hat nicht funktioniert, wie man sieht:

Und dies ist wohlgemerkt ein harmloses Beispiel. Hier hat jemand nicht alle möglichen Folgen des Hashtags durchgespielt oder zumindest das Risiko unterschätzt. Wer Fast Food verkauft, sollte sich also etwa nicht mit einem Hashtag angreifbar machen, das sich auf ein lupenreines, gesundes Image beruft. Eine Analyse des eigenen Image im Vorfeld wirkt solchen Fehlern entgegen. Es gilt also: Strategie, Strategie, Strategie!

Mit Social Media Monitoring alles im Blick

Der Digitalberater Stefan Evertz aus Köln widmete sich in seinem Vortrag „Social-Media-Monitoring & Content Strategy“ dem allgemeinen strategischen Vorgehen im Social Media Marketing. Dabei stand viel Grundlegendes auf dem Programm. An zentraler Stelle bezog Evertz auch Stellung zu immer noch kursierenden Fehlannahmen wie derjenigen, dass eine gewisse Fan-Anzahl automatisch Erfolg bedeutet. Wie so oft, kommt es hier jedoch letztlich vor allem auf Qualität an.

Auch wenn man sich natürlich vor Verallgemeinerungen hüten sollte: Prinzipiell sind weniger Fans mit höherer Interaktion unzähligen „stummen“ Fans vorzuziehen. Ebenso genügt es nicht, als Unternehmen einfach ein Facebook-Profil zu besitzen und ohne Strategie Posts zu veröffentlichen. Evertz spitzte dies in dem Satz „Facebook ist keine Strategie“ zu. Damit ist gemeint, dass eben nur gezieltes und detailliert ausgetüfteltes Vorgehen Erfolge auf dem größten sozialen Netzwerk bringt.

Daher ist ausführliches Social Media Monitoring ein absolutes Muss. Die Auswertung der eigenen Posts sowie eine Übersicht darüber, was im Web über das eigene Unternehmen „geredet“ wird, sind essentiell. Mittels Monitoring kann so schnell auf Entwicklungen aller Art reagiert und die bestehende Strategie sukzessive verfeinert werden.

Vom Wert einer Content-Strategie

Den hohen Wert von strategischem Vorgehen betonte auch der Blogger und Student Babak Zand in seinem Beitrag „4 Phasen einer Content-Strategie“. Anhand seiner eigenen persönlichen Erfahrungen als Blogger stellte er das Konzept der Content-Strategie vor. Während er zuvor eigene Blogs eher intuitiv betrieben hat, geht er nun äußert planvoll vor. Im Vorfeld bedeutete dies beispielsweise eine detaillierte Analyse des bestehenden Contents und die Erstellung von Personas.

Im Zentrum seiner Äußerungen standen die vier Content-Säulen Audit, Planung, Produktion und Management. Trotz der Komplexität der Materie gelang es ihm, das Thema sehr anschaulich zu präsentieren. Neben großem Zuspruch gab es auch deutliche Gegenstimmen. So stellte eine Bloggerin die Konzepte „Strategie“ und „Leidenschaft für das eigene Thema“ strikt gegeneinander.

Ich kann ihren Punkt im Ansatz nachvollziehen, allerdings denke ich, dass man beides gut verbinden kann. Es ist ja schließlich auch für private Blogger nicht die schlechteste Idee, so zu schreiben, dass man bestimmte Leser gezielt erreicht. Dies machen alle Autoren in einem gewissen Sinne – ob Lokalzeitungsredakteur oder Schriftsteller.

Konzepte wie die Content-Strategie bringen dies nur viel deutlicher zum Ausdruck und legen exakte Abläufe fest. Dies finde ich sehr sinnvoll! Zumal es im Falle Zands ja gewissermaßen ein guter Probelauf für später ist. Wer schon für seinen eigenen Blog gezielt Content produzieren kann, erwirbt wertvolle Fähigkeiten für die Zukunft.

Blogger sind auch nur Menschen

Die gemeinsam von Mike Schnoor (@MikeSchnoor) und Jutta Lohkamp (@juttloh) moderierte Diskussion „Blogger Relations + Influencer Management“ verdankte sich einem schönen Zufall. Beide hatten im Grunde dasselbe Thema vorgeschlagen und taten sich dann spontan zusammen. Der bekannte Online-Berater und die Expertin für Digital Communiction bei DHL konnten sich gut ergänzen.

Als zentraler Punkt muss die persönliche Beziehung zwischen Vertretern des Unternehmens und Bloggern gelten. Wechselnde Ansprechpartner erschweren dabei eine vertrauensvolle Kommunikation. Influencer, ganz gleich, in welcher Form, sind einfach Menschen wie du und ich, mit allen Befindlichkeiten und Bedürfnissen. Daher brachte es Schnoor auf den Punkt, als er die Kommunikation mit Bloggern als „People Business“ bezeichnete.

Dabei sind von beiden Seiten Pflichten zu erfüllen. Unternehmen wird empfohlen, den zeitlichen Vorlauf, den Blogger für die Berichterstattung benötigen, nicht zu unterschätzen. Wer sich dagegen als Schreiberling nicht an die Abmachungen seines Auftraggebers hält, Es verhält sich online genauso wie offline: Vertrauen und gegenseitige Achtung sind das Fundament. Die lockerere Form eines Blogs, etwa im Gegensatz zu einer Zeitschrift, ändert nichts daran.

Fazit

Wieder einmal wurde deutlich, dass minutiöse Planung im Online Marketing von entscheidender Bedeutung ist. Dabei mögen die Inhalte eine andere Form haben, doch ein Marken-Auftritt auf Facebook verlangt ebenso strategisches Denken wie eine Print-Kampagne. Gerade im Hinblick auf Content Marketing ist diese Betonung nur zu begrüßen.

Es war definitiv ein tolles Event, gerade aufrund der angenehmen Atmosphäre und Leidenschaft der Organisatoren. In diesem Sinne: Vielen Dank an Johannes Mirus (@Johannes), Karin Krubeck (@FoodJoyKarin) und Sascha Foerster (@Sascha_Foerster) vom Organisationsteam, ich freue mich auf das BarCamp Bonn 2016!

Für alle, die noch nie auf einem Barcamp waren: Bei dieser „Unkonferenz“ zu Online-Themen sind alle Teilnehmer gleichberechtigt. Jeder kann ein Thema vorschlagen, dann wird abgestimmt und auf die Schnelle ein Programm erstellt. Eine im besten Sinne demokratische Veranstaltung also. Dieses Video stellt das Konzept auf amüsante Weise dar.

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3 Kommentare

  1. […] war eine spannende Zeit: Nachdem ich samstags das BarCamp Bonn besucht hatte, ging es Mittwoch und Donnerstag auf die Content Marketing Conference in der Kölner […]